und wie wir diese mit Ihnen gemeinsam in der Therapie positiv & gesundheitsfördernd umwandeln können, damit Sie Ihrem Ziel näher kommen

In der Physiotherapie geht es häufig um Veränderung. Veränderung zur Besserung hin.

So wollen wir sichtbare Veränderungen, wie z.B. Bewegungserweiterungen nach einer Knieoperation erzielen. Es geht aber auch oft um Veränderungen des Denkens, der inneren Haltung zu Beschwerden und auch um Veränderungen der Überzeugungen, den eigenen Körper betreffend.

Oft kommt es vor, dass Patienten mit tiefen Überzeugungen in die Behandlung kommen, die dem Genesungsprozess nicht förderlich sind. Oftmals reicht es dann nicht aus, rein physiotherapeutisch zu behandeln.

Was sind Glaubenssätze?

Glaubenssätze sind tiefe, innere Überzeugungen, die das beeinflussen, was wir wahrnehmen und worauf wir uns fokussieren.

In der Physiotherapie spielen solche Glaubenssätze eine große Rolle, wenn es um den Erfolg der Behandlung geht. Reine physiotherapeutische Techniken reichen oft nicht aus. Um den Genesungsprozess zu unterstützen, ist es wichtig, neue Verhaltensweisen zu entwickeln. Und diese müssen dann auch mit den Glaubenssätzen übereinstimmen, um dem Ziel näher zu kommen.

So bringt es nichts, wenn der Patient nach wie vor glaubt, dass er durch seine Arbeit am PC und die „krumme“ Haltung seinen Bandscheiben massiv schadet.

Wenn Sie glauben, dass sie etwas nicht tun sollen, nicht können oder beispielsweise eine Bewegung schädlich ist, dann werden Sie unbewusst einen Weg finden, das Eintreten einer Verbesserung oder Veränderung zu verhindern.

Noch schlimmer: Sie finden einen Weg, die Ergebnisse so zu deuten, dass diese zu Ihren Glaubenssätzen passen („Ich hab jetzt den ganzen Tag am PC gearbeitet und krumm gesessen, deswegen habe ich Schmerzen.“)

Ein „Dieses krumme Sitzen schadet mir!“ ist eine grundsätzliche Überzeugung, die wir in der Therapie häufig von Patienten hören, aber auch zuweilen von diversen Medien oder Produktanbietern eingetrichtert bekommen. Nur so können sich ergonomisch geformte Stühle oder spezielle Schlafkissen so prima verkaufen. Lassen Sie sich gesagt sein, dass Sie diese Produkte nicht brauchen. Sparen Sie Ihr Geld lieber, denn förderlich für eine grundlegende Verhaltensänderung ist so etwas nicht.

Hin und wieder gestaltet sich die Therapie auch als Detektivarbeit, um herauszufinden, welche versteckten Glaubenssätzen den Patienten hindern, seinem Therapieziel näher zu kommen.

Als Therapeuten können wir Sie neben der physiotherapeutischen Behandlung dahingehend unterstützen, Sie bei der Entwicklung neuer Verhaltensweisen zu begleiten. Hierbei ist es von großer Wichtigkeit, dass das neue Verhalten mit Ihrer Weltanschauung übereinstimmt.

Die Frage hier lautet zunächst:

Welche grundsätzlichen Überzeugungen haben Sie und wie beeinflussen diese Überzeugungen Ihr Verhalten?

Nur, wenn wir überzeugt sind, etwas zu können, haben wir die beste Voraussetzung, um es auch tatsächlich zu können.

Welche Funktion haben Glaubenssätze?

  • sie helfen, die Welt zu erklären
  • sie sind beschreibend (Die Welt ist hart)
  • sie geben eine Handlungsempfehlung (Du musst immer aufpassen, dass du grade sitzt!)

Wodurch werden Glaubenssätze befeuert?

Glaubenssätze werden durch innere Antreiber befeuert. Innere Antreiber entstehen immer dann, wenn Forderungen oder Aussagen häufig und vehement geäußert werden. Dann festigen sich diese Aussagen und entwickeln sich zu inneren Antreibern und können so das Verhalten und Handeln sehr stark beeinflussen.

Diese innere Antreiber können so stark werden, dass sie nicht nur den Behandlungserfolg verhindern, es kann sogar so weit gehen, dass Sie mehr Beschwerden bekommen.

Ziel in der Therapie ist es also auch, Ihre inneren Antreiber zu identifizieren und in innere Erlauber umzuwandeln. Dies kann jedoch nicht sofort passieren, sondern nur allmählich.

Ein Beispiel:

Ein Patient kommt mit der tiefen inneren Überzeugung, dass er eine Bewegung nicht machen darf, da die schädlich für seine Bandscheiben ist. Er bestätigt diese Aussage, in dem er zeigt, welche Bewegung ihm Schmerzen bereitet. Er hat Schmerzen, wenn er das macht, also MUSS seine Überzeugung stimmen.

Was passiert also gedanklich beim Patienten?

Seine inneren Antreiber könnten folgende sein:

  • VERMEIDE diese Bewegung!
  • Die Bandscheiben sind sensibel und VERLETZUNGSANFÄLLIG
  • Pass immer auf, WIE Du Dich bewegst!
  • Schmerzen zeigen Dir, dass Du was FALSCH gemacht hast!
  • Wenn Du das nicht beachtest, dann SCHADEST Du Dir!

Hinter diesen Antreibern steht die Aussage „Tu das nicht! Dann ist alles okay!“

Als Therapeuten wissen wir, dass diese Aussage nicht stimmt, denn niemand bewegt sich immer perfekt oder hat immer die perfekte Haltung, also auch nicht immer Schmerzen, bei ein und derselben Bewegung. Viele Patienten sind aber fest überzeugt davon. Sie sind sich sicher, wenn sie diese inneren Antreiber nicht befolgen, dann schaden sie sich selbst. Dieses Gefühl und diese Annahme kann sich dann in Niedergeschlagenheit, Verzweiflung oder auch Wut auf sich selbst äußern.

Vielleicht kennen Sie das auch, und um diese Gefühle künftig zu verhindern, werden Sie wahrscheinlich versuchen, diesen inneren Antreibern noch gerechter zu werden und noch mehr aufpassen, wie Sie sich bewegen. So entsteht der perfekte Teufelskreis!

Aus diesem Teufelskreis können wir Ihnen helfen, herauszutreten, in dem wir gemeinsam mit Ihnen die inneren Antreiber durch innere Erlauber ersetzen.

Zurück zu unserem Beispiel:

Langsam und Schritt für Schritt können wir als Therapeuten gemeinsam mit Ihnen diese inneren Antreiber ersetzen und Sie dahingehend aufklären, dass es möglich ist, aus diesem Teufelskreis auszutreten.

Wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Medizin und der Physiotherapie spielen hier für uns eine große Rolle in Bezug auf die Behandlung. Was wir Ihnen mitgeben, sind aber nicht rein wissenschaftliche Erkenntnisse. Sie sollen auch erfahren, dass das, was die Wissenschaft belegt, tatsächlich für Sie auch stimmt. Sie dürfen die Erfahrung machen, dass Ihre Annahmen nicht stimmen.

Mögliche innere Erlauber in unserem Beispiel könnten sein:

  • Ich muss nicht ständig auf meine Bewegungen achten, hin und wieder die Positionen zu ändern oder einige ausgleichende Bewegungen zu machen, reicht vollkommen aus!
  • Es darf auch mal schmerzen, das bedeutet nicht, dass ich meine Bandscheibe zerstöre!
  • Mein Körper und auch meine Bandscheiben halten viel aus! Ich muss mich nicht in Watte packen!

Unser kognitives Verhalten ist durch vier wichtige Prozesse geprägt, nämlich:

Gedanken, Gefühle, Verhalten und Körperempfindungen bedingen sich gegenseitig.

Häufig erleben wir es in der Praxis so, dass ein Patient kommt und sagt:

„Weil ich die Bewegung gemacht habe, tut es jetzt weh und seitdem geht es mir schlecht.“

  • hier hat die vermeintlich falsche Bewegung ein negatives Gefühl ausgelöst
  • Die Situation löst also Gefühle und Verhalten aus

Der Patient interpretiert die Situation.

Das bedeutet, dass die Bewegung, die vermeintlich zu Schmerzen geführt hat, als schlecht interpretiert wird. Die Gedanken entscheiden also darüber, wie viel Stress, Schmerz oder Negativität empfunden wird.

Um die Zusammenhänge zu analysieren, geht man davon aus, dass es die Gedanken sind, die dafür verantwortlich sind, wie man sich fühlt, verhält und wie der Körper darauf reagiert. Gedanken und Bewertungen, die man zu einer bestimmten Situation also hat, sind ursächlich dafür, welche Gefühle, Körperempfindungen und Verhaltensweisen entstehen.

Als Therapeuten können wir über das Verändern von Gedanken Körperempfindungen, negative Gefühle und Verhaltensweisen verändern.

Gedanken sind alle bewussten und unbewussten Vorgänge, durch die wir uns mit Situationen oder Ereignissen auseinandersetzen. Beispielsweise sind das Grundeinstellungen, Bewertungen, Interpretationen.

Gefühle entsprechen dem subjektiven Erleben: „Ich fühle mich verspannt.“

Verhalten ist das willkürliche und unwillkürliche Handeln, das ein Mensch unter Benutzung seiner Muskulatur ausführen kann.

Man kann sich nicht nicht verhalten, selbst wenn man nichts macht, verhält man sich.

Körperempfindungen sind alle Regungen, an denen wir erkennen können, in welchem Zustand sich unser Körper gerade befindet (Herzklopfen, Schwindel, Schmerzen, etc.)

Nochmal zurück zum Beispiel:

„Weil ich die Bewegung gemacht habe, schmerzt es jetzt!“

  • Die Anforderungssituation ist die vermeintlich falsche Bewegung
  • Die Gedanken: Ich habe was falsch gemacht und mir geschadet, vielleicht richtig was kaputt gemacht, was nicht zu reparieren ist. Ich hab mich dumm bewegt. Ich krieg es nicht hin, mich richtig zu bewegen. Ich bin zu schwach. Mein Rücken geht kaputt. Ich schade mir.
  • Diese Gedanken sind ursächlich für die Gefühle: Frustration, Niedergeschlagenheit, Verzweiflung, etc.
  • Folgende Körperempfindungen können daraus entstehen: stärker werdende Schmerzen, Schmerzen, die dann an anderer Stelle auftreten, Nervosität, etc.
  • Daraus kann folgendes Verhalten entstehen: Vermeidung von Bewegung, Vermeidung jeglicher Tätigkeiten, bei der die vermeintlich ursächliche Bewegung durchgeführt werden muss, Rückzug, Schonung, übertriebene Vorsicht, Selbstkontrolle

Hinderliche Denkmuster, die uns in der Praxis immer wieder begegnen:

  • Katastrophendenken:
  • Mein Rücken ist kaputt!
  • Da hilft nur noch eine OP!
  • Das ist eine Katastrophe!
  • Ich werde nicht mehr an meinem Arbeitsplatz weitermachen können.
  • Niedrige Frustrationstoleranz:
  • Ich halte das nicht aus!
  • Das ist so unerträglich!
  • Ich kann meinen Sport erst wieder machen, wenn es mir besser geht

Durch gezielte Fragestellung und Aufklärung können wir hinderliche Gedanken in der Therapie umstrukturieren.

Durch gezielte Hilfestellung, Aufklärung mit Hinblick auf wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Medizin und Physiotherapie können wir Sie also auch abgesehen von physiotherapeutischen Maßnahmen dahingehend unterstützen, Ihren Genesungsprozess aktiv und positiv mit zu beeinflussen.

Es geht hierbei nicht darum, Ihnen neue Glaubenssätze „einzupflanzen“. Vielmehr sehen wir uns als Therapeuten auch in der Rolle der Berater und Begleiter, um Ihnen zu helfen, selbst einen Weg zu finden, bei dem Sie physiotherapeutisch Erlerntes auch in Ihrem Alltag umsetzen können.

Nur, wenn Sie überzeugt sind, etwas zu können, haben Sie die beste Voraussetzung, um es auch tatsächlich zu können.

Haben Sie einmal erfahren, dass Sie es selbst in der Hand und dazu auch alles Nötige zur Verfügung haben, Ihre Genesung voranzutreiben, so werden Sie motivierter sein, Ihre Übungen auch eigenständig durchzuführen. Somit gewinnen Sie an Lebensqualität und wir können Sie dabei begleiten.

Text: Christina Sattler, staatl. anerkannte Physiotherapeutin, Neurophysiotherapie

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